Das hier wird wahrscheinlich der lateste Late-Night-Post, den ich je schreiben werde. Aber ich bin so wütend. 

Eine weise Frau, also meine Mutter, sagte einmal zu mir: „Schreib auf, was dich ankotzt und es ist nur noch halb so schlimm.“ So, und das mache ich jetzt. Denn es kotzt mich richtig an.

Es ist 2:35 Uhr und ich bin so spät an einem Dienstag noch wach, weil ich gerade von einem Konzert komme. Falls das meine verständnisvolle Chefin liest: 1, 2, 5 Kaffee mehr morgen früh und das ist kein Problem!

Naja, auf jeden Fall liebe ich es grundsätzlich, auf Konzerte zu gehen. Alles was ich will ist, Musik, die so laut spielt, dass mein Herz im selben Takt schlägt. Tanzen, ohne Luft zu holen, um verschwitzt nach Hause zu gehen und am nächsten Morgen mit Muskelkater und ohne Stimme wieder aufzuwachen. Fun Fact: Seit Freitag ist meine Stimme eh weg und damit ist das auch der EINZIGE Punkt meiner doch recht überschaubaren Wunschliste für Konzerte, die sich morgen früh erfüllen wird.

Natürlich kann man 4 Stunden früher da sein, um einen Platz vor der Bühne zu bekommen, denn da feiert man noch, wofür man bezahlt. Aber dazu habe ich schlicht und ergreifend keine Lust. Es kann doch nicht sein, dass ansonsten niemand mehr tanzt?! Was ist los mit euch? Das ist nun sicher das dritte oder vierte Konzert, auf dem ich mich frage: „Was mache ich hier?“ Menschen jeder Altersgruppe um mich herum – und niemand tanzt. Niemand, der die Augen schließt, um die Musik zu fühlen. Ein leichtes Wippen hier, ein Kopfnicken da. Heute stand ein Mann vor mir, hätte er nicht ab und zu an seinem Bier genippt, ich hätte mir Sorgen gemacht, er ist vielleicht in einer Art Totenstarre. Das höchste der Gefühle ist dann das „im-Fünf-Minuten-Takt-Handy-Hochheben“.  Die Künstler nur noch durch Displays sehen zu können ist so ernüchternd. Natürlich bin ich nicht unschuldig, wer ist das schon. Ich poste auch mal ein Bild, aber dieses ewige Hochhalten, um alles mitzufilmen, was geht und keine Sekunde zu genießen, was vor einem liegt…

Kurzer Ausreißer – meine Top 3 Handy Erlebnisse auf Konzerten:

Platz 3: …geht an den Typen, der heute Abend eine Taschenlampe dabei hatte, um sie neben sein Handy zu halten damit sein Video besser wird. Du Fuchs.

Platz 2: …geht an die süße Maus, die es geschafft hat, sich zwei Stunden lang mit dem Rücken zur Bühne und mit einem Selfie Stick selbst zu filmen. Du hast zwar die Bühne nie mit eigenen Augen gesehen, aber ich bin mir sicher, das Video war’s wert.

Platz 1: …geht an die super nette ältere Dame, die mir dieses Jahr in Nizza ernsthaft und mit jeder Menge Wut erklären wollte, ich solle doch aufhören, beim Tanzen meine Hände in die Luft zu halten. Damit würde ich ihre ganze Aufnahme zerstören.

Ich wäre sofort dabei, wenn es darum ginge, ein Konzert mit Smartphone-Verbot zu organisieren. Sofort!

Und jetzt mal ganz ehrlich, wer von euch dachte ernsthaft, es wäre eine gute Idee mit einem Rucksack an ein Konzert zu gehen? Also wirklich, was ist da drin?! Das 5-Gänge-Menü für danach?! Statt mit Fremden Arm in Arm „Nur zum Besuch“ zu grölen oder mit dem Zwei-Meter-Mann, der grundsätzlich genau vor einem steht, um die Wette zu springen, kuschle ich regelmäßig nur noch mit Rucksäcken. Die Deluxe-Variante sind dann diese hippen Sportbeutel, die können nämlich einen gewissen Radius nach rechts und links ausschlagen. Ausweichen unmöglich.

Es kann doch nicht nur mir so gehen, oder? Wo sind die Menschen, die noch auf Konzerte gehen, um die Stimmung zu erleben, um diesen Adrenalinkick zu bekommen, wenn dein Lieblingslied viel zu laut dröhnt und um Menschen zu treffen, die feiern was du feierst? Liegt es an mir oder an euch? Klärt mich auf.

Ich frage mich wirklich, warum geht ihr eigentlich noch auf Konzerte?

 

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