– Eine Entscheidung zwischen Erleben und Festhalten, oder?

Mit 14 – früher Kinnas, früher – als ich meine erste Kamera gekauft habe, da war nie der Gedanke „Nehme ich sie mit oder bleibt sie daheim?“. Diese Nikon d3100 wurde überall mit hingenommen – ÜBERALL. Auf die unmöglichsten Weisen transportiert, in die Handtasche geschmissen, in der Hand getragen. Mittlerweile hat das seine Spuren hinterlassen, keine Frage, aber sie funktioniert noch einwandfrei. Ich habe die Menschen eh nie verstanden, die ihre Kamera wie Porzellan behandeln. Ich war ganz verrückt danach, alles auszuprobieren – die Bedienungsanleitung habe ich nie angefasst. Es war ein „Was passiert hier und was änder‘ ich da“-Rumgedrücke bis ich ein Gefühl dafür hatte, was ich da mache. Dabei bin ich mir heute noch immer so oft nicht sicher, ob ich überhaupt weiß, was ich tue… Aber dazu vielleicht ein Andermal mehr, denn ich glaube dass es oftmals mehr auf das Gefühl ankommt, als auf die einwandfreie Technik.

Ich hatte meine Kamera also wie gesagt IMMER mit. Heute stelle ich mir so oft die Fragen: „Nimmst du sie mit oder nicht?“, „Wohin verstaust du sie?“, „Wie hoch ist das Risiko, dass sie kaputt geht?“, „Bist du weniger flexibel mit Kamera?“.

Und ganz lange habe ich mich gefragt, ob mich die Tatsache, dass ich die Kamera in der Hand habe, darin beeinträchtigt, Dinge bewusster zu erleben.

Konzentriere ich mich dann auf das gute Motiv statt auf das Reisen, den Konzertbesuch oder was auch immer ich vorhatte? Bis ich dann vor kurzem das Aha-Erlebnis hatte: Ich möchte wieder zu meinem 14-jährigen Ich zurück (nur in dieser einen Sache bitte, der Rest kann in der Vergangenheit bleiben) und die Kamera ohne Kompromisse so oft es geht mitnehmen.

Ich war vor einiger Zeit bei einer Freundin in Wiesbaden zu Besuch. Sie hatte uns Karten für die Light and Building Messe in Frankfurt besorgt. Leider gab es dort ein Kameraverbot (sowas von oldschool). Fabienne hat also brav ihre Fuji zuhause gelassen. Während der Messe hatte ich dieses Kribbeln in Hand und Finger – ich wollte unbedingt Fotos machen. Ich hoffe, irgendwer weiß, was ich meine und ihr haltet mich nicht für völlig bescheuert. Es ist dieses Kribbeln, wenn du eine (in diesem Fall eine von vielen) tolle Lichtinstallation oder einen hippen Messestand siehst und dir denkst: „Fuck, das gäbe so ein gutes Bild!“.  Vielleicht ist es auch eher ein Zucken, das Zucken vom Zeigefinger, der vergeblich nach dem Auslöser sucht. Naja, wir schweifen ab – zurück zum Thema. Als wäre das nicht genug, sind wir danach noch spontan auf die Luminale in der Innenstadt – und das hat mir den Rest gegeben. Bei jedem Licht-Kunstwerk blitzte ein Bild in meinem Kopf auf, das ich so gerne machen wollte. Mein Handy kam komplett an seine Grenzen, natürlich, und der Frust war riesengroß.

Ergo: Es macht keinen Unterschied, ob ich die Kamera dabei habe oder nicht. Ich erlebe nicht mehr und nicht weniger, denn die Bilder habe ich trotzdem im Kopf, nur kann ich sie ohne Kamera nicht festhalten. Und ich kann euch sagen – ihr wisst es vermutlich selbst – das ist so deprimierend! An dieser Stelle ein großes SORRY an die liebe Anne (sie musste mein Gemecker vor Ort und live ertragen)!

Ich glaube, dass man dieses „Foto-Denken“ entweder hat, oder eben nicht. Das kann eben Fluch und Segen sein. Fluch, weil man weniger die Sache an sich sieht und vielmehr, wie man sie für sich und seine Fotos nutzen kann. Und Segen, weil es einem die Motivation gibt, aus allem etwas eigenes zu machen.

Also: Ist es bereits zu spät für Neujahresvorsätze? Meiner wäre nun folgender: Die Kamera immer bei mir zu haben.

Wie seht ihr das?

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